Arbeit

Substanz

Tabak ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse. Der Hauptwirkstoff der Tabakpflanze ist Nikotin. Nikotin gehört zur Stoffgruppe der Alkaloide und entsteht in der Wurzel der Tabakpflanze. Bei Reifung der Pflanze wandert das Nikotin in die Blätter, welche dann fermentiert, getrocknet und feingeschnitten werden. Bei der Herstellung werden dem Tabak Zusatzstoffe wie z. B. Zucker, Glycerin, Mineralöl, Aromaverstärker und Lösungsmittel zugesetzt.

Beim Verbrennen des Tabaks entstehen außerdem Stoffe wie Teer (sorgt für den Geschmack), Kohlenmonoxid, Benzol, Cadmium, Nitrosamine, Cyan-Wasserstoff, Stickstoff oder Blausäure.
Tabak wird meist in Form von Zigaretten, Zigarren sowie zum selbst Drehen oder Stopfen für die Pfeife gehandelt. Der angezündete Tabak wird inhaliert. Weit verbreitet ist auch, Fruchttabak durch eine Wasserpfeife (Shisha) zu rauchen, wobei der Tabak mit zusätzlichen Aromastoffen versehen wird. Außerdem kann Tabak als Schnupf- und Kautabak gekauft werden.

Andere Bezeichnungen für Zigarette: Fluppe, Kippe, Zichte, Glimmstängel.

Wirkung

Die Tabakwirkung wird im Wesentlichen vom Nikotin bestimmt. Die Freisetzung des Nikotins erfolgt sofort beim Anzünden des Tabaks. Es gelangt, gebunden an Teerteilchen, zuerst in die Lunge, von dort ins Blut und erreicht bereits nach 7 Sekunden das Gehirn, wo es Botenstoffe wie Adrenalin, Dopamin, Serotonin, Beta-Endorphin und Vasopressin freisetzt. Der Blutdruck und die Herzfrequenz werden erhöht. Nikotin hat eine psychoaktive Wirkung und steigert  kurzfristig die Gedächtnisleistung, die psychomotorischen  Fähigkeiten, die Aufmerksamkeit und die Stresstoleranz, dämpft Hungergefühle und wirkt anregend sowie stimulierend. Die erzielte Wirkung hängt stark von der Gewöhnung der Konsument_innen, der körperlichen und psychischen
Verfassung (aufgeregt, müde, gestresst etc.), der inhalierten Nikotindosis und der Rauchgeschwindigkeit ab. Mit zunehmender Gewöhnung werden die Rezeptoren unempfindlicher, wodurch der Konsum erhöht werden muss, um die gleiche Wirkung erzielen zu können (Toleranzbildung)

Dosis

Eine Zigarette enthält etwa 12 Milligramm [mg] Nikotin,also deutlich mehr, als auf der Verpackung angegeben ist (die dortigen Angaben beziehen sich auf maschinell im Rauch gemessene Werte). Beim Rauchen einer Zigarette wird tatsächlich etwa 1 – 3 mg Nikotin vom Körper aufgenommen.
Die tödliche Dosis von Nikotin für einen Menschen liegt bei etwa 1 mg pro kg Körpergewicht. Nikotin wird im Körper rasch abgebaut, weshalb selbst Kettenraucher_innen beim Rauchen keine tödliche Dosis erreichen.

Kurzzeitnebenwirkungen

Meist bei Erstkonsum: Blutdruckabfall, herabgesetzte Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Übelkeit / Brechreiz und Schwindelgefühle.
Gerauchtes Nikotin wäre in »Reinform« nicht krebserregend oder gesundheitsschädlich, ist jedoch in Kombination mit den anderen Inhaltsstoffen des Rauches (Teer, Kohlenmonoxid etc.) eines der stärksten pflanzlichen Zell- bzw. Nervengifte!

Nach mehrmaligem Konsum: Verengung der Blutgefäße durch vermehrte Freisetzung von Adrenalin – Durchblutungsstörungen möglich, erhöhte Aktivität des Magen-Darm-Traktes, gesteigerte Atemfrequenz; durch gestörten Sauerstofftransport sinkt die Atemtiefe.

Durch Ausschüttung von Stresshormonen kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel und beschleunigten Stoffwechsel, wodurch das Hungergefühl verringert wird.

Langzeitnebenwirkungen

Die gesundheitlichen Schädigungen werden durch die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs verursacht. Teer setzt sich in Form winziger Teilchen in Lunge und Bronchien ab und verklebt dort die Flimmerhärchen, die die Atemluft filtern. Die Atemorgane werden somit anfällig für Bakterien und Viren. Starker Husten (»Raucherhusten«) und chronische Bronchitis sind Anzeichen für eine Schädigung der Atemwege. Wenn das Rauchen aufgegeben wird, kann sich die Lunge (teilweise) regenerieren und die Teerteilchen werden abgebaut. Tabakrauch kann Lungenkrebs verursachen.

Durch Teerablagerungen in den Blutgefäßen besteht ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombose. Nach jahrelangem Konsum kann ein so genanntes Raucherbein entstehen.

Außerdem möglich: Erektionsstörungen, Impotenz und Unfruchtbarkeit, Magengeschwüre oder chronische Gastritis, Einschränkung des Geruchs- und Geschmackssinnes und Verfärbung der Zähne.

Andere im Tabak enthaltene Stoffe sind krebsfördernde Substanzen / Reizstoffe, die eine vermehrte Schleimproduktion stimulieren sowie die Sauerstoffmenge im Blut verringern. User berichten außerdem von eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit und bei längeren Konsumpausen von Nervosität. Rauchen beeinträchtigt das Immunsystem, so dass es zu Entzündungsreaktionen kommen kann. Symptome von Schuppenflechte, Neurodermitis und Akne können verstärkt werden.

Außerdem heilen durch die schlechtere Durchblutung der Raucherhaut Pickel oder Verletzungen weniger gut ab. Rauchen als Risikofaktor für Hautkrebs wird diskutiert.

Rauchen begünstigt Parodontitis, welche zu vorzeitigem Zahnausfall führen kann.
Psychische Abhängigkeit ist möglich. Die körperliche Entwöhnung von Nikotin dauert nur wenige Tage. Der psychische Entzug kann mehrere Monate dauern und Verstimmungen, Angstgefühle, Schlaflosigkeit sowie Unruhe auslösen, viele User berichten außerdem von einer Gewichtszunahme.

Wechselwirkungen

Es kann von einer zusätzlichen Belastung des Körpers durch Mischkonsum von Tabak und anderen Substanzen ausgegangen werden.

Tabak + Crack/Freebase: führt zu starker Gefäßverengung – Schlaganfall möglich!

Tabak + Cannabis: Erhöhtes Risiko von Atemwegserkrankungen. Nikotin unterdrückt die THC-Wirkung, während THC die Nikotinwirkung steigert. Ob das bei synthetischen Cannabinoiden ebenso ist, ist uns nicht bekannt.

Tabak + Medikamente: Nikotin schwächt schlaffördernde Wirkung der Benzodiazepine und die schmerzhemmende Wirkung von Opioiden.

Tabak + Speed: Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck.

Tabak + Kokain: Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck. Kann bei entsprechender Ausgangssituation zu lebensbedrohlichen Zuständen führen!

Tabak + Ecstasy: Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck.

Safer use

Risikofreien Konsum gibt es nicht! Wer trotzdem konsumiert, sollte sich mit den Safer-Use-Regeln vertraut machen:

Bedenke: Tabak ist eine legale, frei verfügbare und gesellschaftlich akzeptierte Droge. Das bedeutet aber nicht, dass diese psychoaktiv wirkende Substanz risikoarm und gesundheitlich unbedenklich ist!

Nikotin wird leicht von allen Hautoberflächen im oder auf dem Körper aufgenommen. Es ist daher möglich, risikoärmere Konsumformen als Rauchen zu wählen, z. B. Schnupfen (Schnupftabak) und Kauen (Kautabak, Nikotinkaugummis). Für Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Herzinfarktrisiko, Lungen- und Atembeschwerden (Asthma, Bronchitis) ist es empfehlenswert, keinen bzw. nur geringe Mengen Tabak zu konsumieren.

Aromatisierte Zigaretten und »Light«-Zigaretten sind nicht »gesünder« als andere Zigaretten. Der Rauch schmeckt weniger stark und wird deswegen oft stärker inhaliert. Bei selbstgedrehten Zigaretten sollte ein Filter (am besten Aktivkohlefilter) benutzt werden, um einige der schädlichen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs herauszufiltern. Bei der Benutzung von dünnen Blättchen / Zigarettenpapier (»Typ A«-Blättchen) wird weniger Teer inhaliert. Achte beim Kauf von Zigaretten auf enthaltene Zusatzstoffe der jeweiligen Zigarettenmarke; Infos dazu findest Du auf diversen Internetseiten.

Drück Deine Zigaretten immer gut aus. Es besteht Brandgefahr!
Wenn Du rauchst, rauche bewusst und versuche, Deinen Konsum zu kontrollieren!
Beachte, dass die jeweiligen Tabakkonsumformen nur wie vorgesehen angewendet werden sollten (z. B. Zigarettentabak nicht kauen!).
Denk dran: Infektionskrankheiten sind auch durch das gemeinsame Rauchen einer Zigarette oder die Benutzung des selben Mundstückes einer (Wasser)Pfeife über den Speichel übertragbar.
Nicht auf leeren Magen konsumieren, denn das greift die Magenschleimhaut zusätzlich an.
Achte darauf, Deine Mitmenschen und vor allem Kinder nicht dem Passivrauchen auszusetzen, denn auch das kann zu gesundheitlichen Schädigungen führen.
Tabak nicht essen.
Wenn Tabak oder in Wasser gelöster Tabak aus Versehen geschluckt wird, sofort Notruf wählen. Es besteht Lebensgefahr!
Eine Nikotinvergiftung hat unter anderem folgende Symptome: Brennen im Mund, Wärmegefühl, das von der Magengegend ausgeht, blasse und kühle Haut mit kaltem Schweiß, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.

Der / die Vergiftete hat Atemnot mit einer Blaufärbung der Haut und Anfälle, die der Angina pectoris ähneln. Bei sehr hohen, tödlichen Dosiseinheiten führt die Nikotinaufnahme innerhalb kurzer Zeit zu einem Kreislaufkollaps, verbunden mit einer Atemlähmung.

Female Special

Frauen, die mit der Pille verhüten, gehen beim Konsum von Tabak ein erhöhtes Risiko ein, Durchblutungsstörungen, Thrombose, Krampfadern und hierdurch einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie (Verschluss von Blutgefäßen in Lunge) zu erleiden. Frauen über 30 Jahre sind besonders gefährdet.
Rauchen reduziert den weiblichen Östrogen-Spiegel. Das kann die Fruchtbarkeit mindern und zu einem früheren Eintritt in die Wechseljahre sowie zu Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) führen.

Schwangerschaft

Vom Rauchen während der Schwangerschaft ist grundsätzlich abzuraten. Nikotin sorgt für eine Minderdurchblutung der Nabelschnur und somit für eine Unterversorgung. Dadurch besteht eine erhöhte Neigung zu Miss- bzw. Fehlbildungen, Entwicklungs- bzw. Wachstumsstörungen des Ungeborenen oder Untergewichtigkeit des Neugeborenen. Die Gefahr von Früh-,
Fehl- bzw. Totgeburten erhöht sich. Eine Nikotinentwöhnung
während der Schwangerschaft schädigt das Ungeborene nicht.

Erfahrungsberichte

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Inner City Pressure

Ein Jahr und -? …ein paar Monate, oder so…

Ich weiss es nicht. Es ist jedenfalls so lange wie noch nie her, dass ich mal was von mir hören lassen habe. Im gesamten Jahr 2016  kein richtiger Eintrag- und ich glaube das ist ein neuer Rekord in der Schreibfaulheit, die diesen Blog als generelles Thema durchzieht.

Naja. Ich habe aber eine Entschuldigung: Es handelt sich ja hier um einen REISEblog. Ich war aber nicht reisen. Sondern die ganze Zeit zu Hause. Ausser ein paar kleine Episoden hier und da. Und die waren wirklich klein.

Ich glaube, der letzte Stand war Uganda mit Ausreiseschwierigkeiten Richtung Sri Lanka. Spannende Sache und irgendwie bin ich ja dann auch rausgekommen, im Schweisse meines Angesichts (was sich natuerlich sogleich als Dauerzustand angesichts der vorherschenden Klimaverhältnisse in Sri Lanka etabliert hat…. Also das verschwizte Angesicht mein ich jetzt).

Aaaaber. AAAABER. Wie es so kommen kann, und auch irgendwann kommen musste: Es gab eine Endstation.  Zwar nicht Sri Lanka, sondern schon ein bissl früher,nämlich:  Ostafrika (und ich war da ja auch nicht allein, denn:Wibke war ja auch dabei!!! Naja und da lag ja dann auch des Pudels Kern begraben….aber…), da war es war zu Ende. Einfach so.  Wusste ich da aber noch nicht. Aber gut, konnte ich also unbesorgt erstmal noch  ein bissl weiter rumfliegen.

So sass ich also in Sri Lanka, hatte einen Vertrag und merkte auf einmal: Neee. Das isses einfach nicht mehr.

Ich hätte ewig so weitermachen können. Ich hätte ewig von Land zu Land ziehen können, irgendwo mal ein bisschen arbeiten und dann wieder weiter, zur nächsten schönen Ecke dieses Planeten. Ich wusste das, ich habs ja schon so gemacht.Und es ist absolut nichts gegen diesen Lebensweg einzuwenden!

Jedoch: Rumgemoser muss  es ja immer  geben. Vielleicht war es die Sicherheit, vielleicht Langeweile, vielleicht sogar (und das sage ich, obwohl ich es besser wissen müsste) persönliche Reife (hahahaha). Jedenfalls hatte ich auf einmal diese Gewissheit: Das (und mit “das” ist genau das was mich die letzten 10 Jahre angetrieben hat,um diesen Planeten zu reisen, torkeln oder in sonstwelcher Bewegungsform herumeiern) ist jetzt vorbei.

Ich hatte keine Lust mehr. Es war ausgereizt. Der Kick war weg. Und das wohl schlimmste war: Ich wusste, wenn ich so weitermachen würde, würde ich immer wissen, was als nächstes passieren würde.

“Tiefes Einatmen”…Mir war LANGWEILIG… (Oh Gott, schreckliche Erkenntniss:  Selbst Klaus und Claudia konnten da nix mehr gegen tun). Ich wollte nach Hause.

(“nach Hause”)

Ha! Nach Hause. Lächerlicher Gedanke. Wo soll das denn überhaupt sein?! Ich hab ja nun wohl ein paar Jahre, Gelder und Anstrengungen investiert um meinem “Zuhause” so fern wie möglich zu sein!

Die liebe Wibke hats dann erstmal wieder gerichtet und mir Geld gegeben ,so dass Klein-Wolfram nach Leipzig kommen konnte. Dann gabs auch noch Wibkes Zimmer zur kostenlosen Nutzung, was ich natürlich schamlos angenommen hab, und in Vorbereitung auf den Nach-Welt-Reise-Blues hab ich mich nach Leipzig begeben.

—–Einschub—–

Ich muss euch jetzt was erzählen, ansonsten haut die Kausalkette (oder der Erzählstrang, whatever, ich hab ja nicht mal ne Fernuni im kreativen Schreiben besucht) nicht mehr hin.

Also:

Im März 2015 sass ich 4 Wochen unter einem Baum im Christchurcher Botanikgarten. Also natürlich nicht non-stop, ich bin zum Schlafen in ein Hostel gegangen, aber den grössten Teil der Tage (und die waren warm und sehr sommerlich: südliche Hemisphäre: babämm) sass ich unter diesen einen Baum.

Tja, das hatte einen Grund. Naja, sogar mehrere.

Mir gings zu dieser Zeit gar nicht gut. Wenn mein Leben mit Filmmusik begleitet wäre, dann wäre dies der Moment  für den Titanic Song (undzwar den, wo Leo untergeht) gewesen.

Im Ernst: Ich hatte mich verrannt, undzwar so richtig böse. Nicht nur, dass ich jemanden, den ich wirklich  und von Herzen liebte, verloren hatte, nein, auch alles andere um mich herum brach zusammen. Ich fühlte mich wie die untere Karte in einem Kartenhaus, die immer nach oben geguckt hat, um auch mal das Dach zu sein.

Verkrampft, Traurig, Alleine, Wütend auf mich selbst und irgendwo am Ende der Welt. So. Das waren die fantastischen Ausgangsfaktoren um irgendwie mal klarzukommen.

Und das Schlimmste war: Langsam begann mir zu dämmern, dass das alles irgendwie meine eigene Schuld war. Und das das alles nicht eben mal so passiert. Sondern schon vorher auch so passiert ist.

Und genauso wieder passieren wird.

Weil ich es bin, der diese Dinge in Gang setzt. Niemand anders.

Naja. Das war jedenfalls hart. So zu sitzen unter meinen Baum in Christchurch, mit meinen Enten (die mich übrigens ziemlich schnell mochten, denn Chipskrümel und unterhaltsame Selbstgespräche gabs am laufenden Band) und so.

Aber gut. So wars und ich will diesen Einschub jetzt auch beenden. Letzendlich hat sich viel verändert. Ich könnte da ewig drüber schreiben, vielleicht mach ich das ja auch mal, aber ich weiss jetzt:

Es gibt Dinge in meinem Leben die sind geschehen (und die habe auch ich getan) und die sind nicht gut.

Aber:

Ich bin trotzdem kein schlechter Mensch.

Und genau diese Erkenntnis macht mich -vielleicht- zum guten  Menschen. Denn nur aus Selbstliebe kann Liebe zu Anderem enststehen.

——Einschub (oder besser “Titanic Song”) ENDE

Naja…was noch?

Der Nach-Reise-Blues ist nie eingetreten. Nicht so wie beim erstem Mal, als ich ja absolut abgestürzt bin.

Mir gings gut. Ich war überrascht.

(Und die ersten Monate furchtbar misstrauisch, da ich dachte ,dass es gleich losgeht mit den Depressionen)

Naja. Jetzt ist weit über ein Jahr um. Mir gehts gut. Also, um ehrlich zu sein gehts mir richtig gut. Warum? Ich bin doch so lange rumgelaufen um was zu finden und nun solls ausgerechnet HIER sein?

Was solls. Ich mach mir da keine Gedanken mehr drüber. Es ist jetzt halt, wie es ist 🙂

Tja,  und mein Leben hier: Ich bin in Leipzig. Ich habe eine Wohnung mit meinem Bruder und meiner Nichte. Ich arbeite in nem Burgershop um Geld zu verdienen und ich studiere soziale Arbeit. Ich habe eine Freundin, zu der ich so viel sagen könnte, es aber lasse, weil es viel zu weit führen würde …-naja- ….Ich liebe sie. (Jess ist wirklich toll. Wie kann ein aufgedrehter Hobbit mit jemanden wie mir nur jemals etwas anfangen???!!…. aber geht anscheinend irgendwie…)

Ich bin jetzt erstmal hier. Das heisst nicht, für immer, Reisen ist immer noch wichtig für mich. Aber so wie es aussieht, schon erstmal ne ganze Weile.

Und: (ich trau mich das gar nicht richtig zu schreiben) ich bin…ganz vorsichtig…da sowas so schnell zerbricht…glücklich.

Tja…ich hab ja immer gehofft, dass es mal einen letzten Eintrag in diesen Blog geben wird. Denn das wuerde bedeuten, dass ich irgendwo angekommen bin.

Also…bis bald. Oder so.

Ich hab euch lieb 🙂

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Too many waiters, not enough plates

Tja. Wenn man sich das Datum des  letzten Eintrags anschaut, muesste man denken ich bin verschollen. Oder dümple lustlos irgendwo im Nirvana des Auslandsaufenthaltes herum.

Das ist natürlich alles nicht wahr. Denn irgendwie hat es mich wieder in heimische Gefilde verschlagen. So. Und nun bin ich in Leipzig. Der zweite Winter steht vor der Tür und ich bin immer noch hier.

Ich bin glücklich. Das was mir in den letzten 12 Monaten passiert ist, war echt toll. Ich studier mittlerweile was echt Spannendes, hab eine herzerwärmende Person kennengelernt und bin  froh in der Gegenwart zu leben.

Mehr will ich hier jetzt auch gar nicht schreiben, irgendwie erscheints mir nicht mehr so wichtig.

Also ihr Lieben, geniest das Leben und

Rock’nRoll

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We have Whitecap, Pilsner, Tusker Lager and we have Whitecap

Stichpunktartige Aufzaehlung unserer Erlebnisse. Chronologisch.
-Landung in Nairobi. Werden von Securities , die wahrscheinlich meine Kamera klauen wollen bis ins Hotel verfolgt
-fahren nach Mombasa. Wollen an den Strand.Habe ein bisschen Angst vor den Terroristen der Al-Shabaab.
-fahren von Mombasa nach Nairobi mit dem Zug. 8 Stunden Verspaetung bei Ankunft. War trotzdem irgendwie schoen
-gehen nach Rusinga Island. Wohnen bei lokaler Famile. Tanzen zu Afrika Mugge. Wibkes Bankkarten werden gestohlen. Gehen zum Medizinmann. Schwindeln uns als Touristikstudenten ins 5 Sterne Resort. Ich lerne Motorrad fahren.
-kaufen einen Esel und wissen nicht so richtig warum
-erfinden Charity-campaign um unseren Eselkauf vor aller Welt zu rechtfertigen
-laufen mit dem Esel los. Wollen 5000 Euro erlaufen. Groessenwahnisnn.
-Esel laeuft langsam, aber er laeuft
-Presse und Politiker interessieren sich fuer uns
-kommen am Ziel an. Sollen verhaftet werden. Werden es nicht. Ich scheisse mir vor Angst fast ein.
-Nachdem Esel verkauft ist, fliehen wir nach Uganda. Kampala ist doof
-Eine Woche Kampala. Mein Konto wird gesperrt. Selbst den Kiwis ist Afrika suspekt.
-Fahren nach Nord-West Uganda und wandern durch tolle Landschaften
-fahren nach Suedwest Uganda und wandern durch lokale Doerfer. Werden kilometerlang von Kindern verfolgt
-fahren rueber nach Rwanda und laufen weiter. Sauber hier. Organisiert. Polizisten an jeder Ecke. Versuche betrunken die Jugend gegen den Polizeistaat aufzuwiegeln
-haben irgendwann komplett den Weg verloren und fahren mit obskuren Booten durch noch obskureres Hinterland. Kein Wanderweg mehr hier oder sonstwas, nur Dorf, Afrika und Afrikaner
-Sind insgesamt 200 km durch die Pampa gelaufen und fahren nach Uganda zurueck. Helfen einem Hollaender beim Aufbau seines Oekoprojektes
-Lerne eine Uganderin kennen und fange eine Romanze mit ihr an. Uebernachten bei ihrem Vater, der ziemlich boese sein wuerde, wenn er ueber unser Verhaeltniss Bescheid wissen wuerde
-Sage Wibke auf Wiedersehen. Beste Reisepartnerin ueberhaupt. Ich hab dich lieb!!!
-werde nicht aus Uganda rausgelassen. Versuche Flugtickets zu faelschen, nuetzt aber nichts, werde dabei erwischt.
-schaffe es dann doch aus Uganda raus. Sitze am Flughafen und frage mich: Sind diese drei Monate grad wirklich passiert? Blick ins Fotoalbum: Ja, sind sie.

Und habe ich was dabei gelernt? Ja, habe ich tatsaechlich:
-ich weiss jetzt wie man einen Esel spazierenfuehrt. Eigentlich ist es gar nicht so schwer…
-…was in mir die Erkenntniss reifen lassen hat, dass man das allermeiste schaffen kann. Man muss einfach nur anfangen, der Rest ergibt sich meist von allein
-Geduld ist eine Tugend. Und erlernbar.
-Gelassenheit und Freundlichkeit bringen einen enorm weit. Wusste ich zwar schon vorher, hab es aber hier zur Perfektion gebracht
-nach einer etwa vierjaehrigen Phase in der ich haeufig an mir selbst zweifelte (aus verschiedenen Gruenden, die ich hier nicht ausfuehren moechte) hab ich festgestellt, dass ich vielleicht doch kein so schlechter Mensch bin
-Afrikaner sind grundsaetzlich schoener als man selbst. Staerkt uebrigens ungemein das Selbstbewusstsein im Schimmbad der Haesslichste zu sein und trotzdem in den Pool zu springen
-Afrika ist kein Land sondern ein Kontinent. Bestehend aus 53 verschiedenen Laendern
-ich hasse es mit oeffentlichen Transport zu fahren. Ausser zu dritt aufm Motorrad. Das hat immer Spass gemacht
-niemals verzweifeln. Am Ende klappts meistens doch irgendwie
Tja und mit diesen, hoffentlich optimistischen, Worten verabschiede ich mich. Bis bald aus Sri Lanka!

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Ach, Afrika

Ach, Afrika. Tja. Wo soll man beginnen? Drei Monate hier und ich weiss: das war was anderes. Vielleicht so anders, dass es auch mich veraendert hat. Wie soll ich das jetzt bloss beschreiben, dass alle verstehen, was ich meine und idealerweise noch ein bissl Spass beim Lesen haben?
Schwere Sache das.
Na, sagen wir einfach mal so: Ich tipp jetzt drauflos und wer mir am Ende noch folgen kann, der gewinnt den Pulitzer-Preis. Revers. Oder so.
Das Ding ist einfach, dass man sich einer Kultur aussetzt, die so komplett anders ist, als man es gewohnt ist, aber jedoch gleichzeitig von ebenjener Kultur einbezogen wird. Das hier ist nicht Asien, wo man in irgendein Netz faellt, was einem ein bisschen ranlaesst und dann trotzdem auf Abstand haelt. Es ist auch nicht Ozeanien, wo man ja sowieso die ganze Zeit unter sich Etablierten selbst feiert. Das hier ist Afrika und man wird mit offenen Armen aufgenommen. Und dann steht Mama Afrika mit genau diesen offenen Armen da und erzaehlt einem im Anschluss auch gleich mal irgendeine unbequeme Wahrheit. Ganz unverholen. Denn man kennt sich ja jetzt.
Armut. Gewalt. Korruption. Das sind so Geschichten mit denen man sich hier arrangieren muss. Und auch darf. Denn es sind immer alle gefragt. Der Schwarze wie der Weisse. Denn wenns ums taegliche Ueberleben geht, gibts irgendwann keine Bequemlichkeiten mehr.
Gleichheit gibt es trotzdem nicht. Dafuer aber Schwarz-Weiss Denken. Denn der Weisse ist hier irgendwie das Schokoladenstueck der Evolution. Ihm gilt es nachzueifern, zu bewundern, kennenzulernen. Der Weisse hat kolonisiert, versklavt, hat unendlich viel Geld, kennt Loesungen zu jeden Problem und hat Beziehungen zu jeden Weissen Haus auf dieser Welt. Ein super Kumpel also!
Manchmal ist das zum Schreien. Fuer Untaten und verbreitetes Grauen bewundert zu werden bin ich ja nun schon aus Osteuropa gewohnt, wo sich eine immer groesser werdende Arsch-Elite ueber die vergangenen Taten der Nazis freut. Aber hier in Afrika begruesst zu werden als der Held, weil man mal eine Kolonie hier reingemordet und – gezwungen hat ist schon ein bisschen befremdlich. Denn hier sagen Opfer Danke zum Taeter. Wenn auch ueber Generationen hinweg.
Und trotzdem liebe ich diesen Kontinent. Zumdindest was ich davon gesehen habe.
Hat irgendwer eigentlich mal bemerkt, dass Afrika mehr als Land denn als Kontinet wahrgenommen wird? Ich glaube Afrika ist im Westen nur das eine, arme Land, in dem all diese kugelbaeuchigen Kinder mit den Fliegen in den Augen wohnen. Das Land in dem immer alle Leute auf alle anderen Leute grundlos schiessen. Das Land wo man Geld hin schmeissen muss, um es aus seiner Misere zu befreien.
Denn der Afrikaner kann ja nichts. Nichts dafuer und auch nichts selber. Er ist aber nun einmal da und muss nun irgendwie am Leben gehalten werden.
Naja, er kann aber doch. Hab ich ja selbst gesehen. Die internationale Entwicklungshilfe ist zwar ne tolle Sache, aber den Grossteil machen die Leute vor Ort. Meistens sind es irgendwelche Menschen , die auch fast nichts haben, das wenige aber in Projekte investieren, die dann insgesamt einen riesigen Anteil zur Verbesserung beisteuern. Wie der Priester, der Lehmhhuetten fuer Obdachlose baut. Der Lehrer, der eine Schule von seinen eigenen Gehalt baut, der Gasthausbesitzer, der unzaehlige Mikrofinanzprojekte ins Leben gerufen hat.
Ich muss jetzt hier abbrechen. Ich bekomm das nicht kommuniziert merk ich. Es ist zu viel, zum ersten mal weiss ich nicht, wie ich meine Erlebnisse sinnvoll zusammenfassen soll.
Es war toll. Nein, es war Wahnsinn. Wibke und ich hatten die wohl intensivste Zeit unserer Reisekarriere. Da kommt zumindest bei mir nix ran. Wir wurden hin und her gebeutelt. Es war total toll und manchmal total frustrierend. Aber mehr toll. Und ich liebe diesen Kontinent. Ich weiss ich muss hierher zurueck. Unbedingt.

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Donkeywalk

Hallo ihr Lieben,

ich habe gerade mit meiner lieben Freundin Wibke ein kleines Projekt am Laufen, mit dem wir hier eine Schule unterstuetzen wollen. Kurz gesagt werden wir mit einem Esel durch Afrika laufen und hoffen auf diese Weise auf uns und unser Anliegen aufmerksam zu machen.

Das ganze wird natuerlich im gewohnt chaotischen Stil ablaufen und sicher fuer ein bisschen Unterhaltung bei allen Beteiligten sorgen. Wer uns folgen will, naeheres wissen will oder einfach ein paar suesse Katzenvideo anschauen will, der klicke bitte auf:

http://donkeywalk.weebly.com/

Blogeintraege muessen erstmal ein bisschen warten, da hier im ,mit Autobatterie bepowerten Internetcaffee die meiste Zeit fuer die neue Webseite draufgeht. Aber in ein paar Wochen, dann auch mal wieder persoenliche Gedanken hier.

Waer uebrigens toll, wenn ihr das Projekt irgendwie unterstuetzt, Leuten davon erzaehlt etc.

Liebe Gruesse aus Kenya

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Alleine zu zweit

Jetzt ist es bald soweit. Ich werde Wibke treffen. Ich freu mich schon seit…ach eigentlich seit es vor einem halben Jahr beschlossen wurde darauf. Denn mit Wibke reisen fetzt. Das W-Team nach 4 Jahren endlich mal wieder vereint. Das kann ja nur Gutes bedeuten.
Was ich in diesen Artikel mal ein bisschen beschreiben will ,ist der Unterschied zwischen alleine reisen und mit Partner reisen. Vielleicht interessiert es ja jemanden, ich jedenfalls hab mir da in letzter Zeit so meine Gedanken dazu machen koennen.
Ich bin ja nun seit Anfang des Jahres Alleinreisender. So richtig wohl habe ich mich damit zu Beginn nicht gefuehlt. Die ueblichen Sorgen haben sich breitgemacht: Wie werde ich schwierige Situationen meistern, werde ich Gesellschaft finden, werde ich mich vielleicht ganz fuerchterlich langweilen usw.
Das alles ist nicht eingetreten. Im Gegenteil ,alleine unterwegs gewesen zu sein ist eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen moechte. Ich habe viel gelernt und es absolut genossen.
Anfang des Jahres, ich muss es zugeben, habe ich mich in einen recht reiseunlustigen Zustand befunden. Ich wollte wohl nicht mehr so richtig, habe mich fuer das viele Wunderbare, was staendig um mich herum war ,nicht mehr begeistern koennen. Ganz deutlich habe ich das in Asien ,Ende letzten Jahres gemerkt, als ich in einen permanenten Zustand des Gestresstseins festhing. Ich weiss nicht, wie es dazu kommen konnte, vielleicht war ich einfach nur Allem ein wenig ueberdruessig. Das jedenfalls war schade, da ich mich immer mehr in mich selbst zurueckgezogen habe, nicht mehr neugierig und offen auf Situationen und Menschen zugegangen bin und somit wohl enorm viel verpasst habe.
Nachdem ich dann jedoch auf mich allein gestellt war ,hat sich das von jetzt auf gleich geaendert. Ganz einfach so. Ich habe eine vollkommen neue Lust am Abenteuer und an den Menschen entdeckt, bzw. wiederentdeckt, denn so war ich ja eigentlich schon immer. Ich liebe neue Begegnungen, neue Situationen, das Ungewoehnliche und Herausfordernde.
Und das war auch gut so, denn genau das ist es, was man als Alleinreisender braucht. Neugier Offenheit und ein bisschen Mut.
Das hat meine vergangenen sechs Monate zu einer ganz besonderen Zeit gemacht. Ich bin auf Leute zugegangen auf die ich sonst nicht zugegangen waere. Ich habe mich fast ausschliesslich ausserhalb meiner Komfortzone bewegt, bewegen muessen, denn es ist ja sonst niemand da, der einen die unangenehmen Sachen leichter macht. Ich habe mich auf viele Situationen einfach eingelassen und dabei eine Gelassenheit entwickelt, die ich seit langem nicht mehr empfunden habe. Obwohl mein Leben wesentlich turbulenter, anstrengender, sogar gefaehrlicher geworden ist, bin ich viel entspannter und optimistischer geworden.
Beispiel? Ich bin im Moment in Srinagar. Vorgestern wollte ich Geld abheben. An allen Geldautomaten wurde meine Karte abgewiesen. Nachdem ich meine Bank angerufen habe weiss ich nun, dass meine Karte gesperrt wurde, da irgendjemand im Internet meine Nummer gestohlen hat und damit irgendwelchen Kram online bestellen wollte. Ich hab zwar Geld, komm aber nicht ran. Gluecklicherweise hab ich einen kleinen Notgroschen in bar und der reicht wohl hoffentlich bis ich dann in Afrika Wibke treffe.
Ich weiss, das klingt jetzt nicht wie das Superabenteuer schlechthin, aber glaubt mir, frueher haette mich das wahnsinnig gemacht. Ich haette mich verrueckt gemacht bei dem Gedanken, was passiert, wenn ich mit meinem (wirklich auf den Dollar genau berechneten) Betrag nicht ueber die afrikanische Grenze komme. Im Moment macht mir das gar nichts aus. Ich muss sogar bei dem Gedanken laecheln als zweiter Tom Hanks im nairobischen Nirgendwo am Flughafen zu enden.
Weiteres Beispiel? Gestern bin ich ,aus Kostengruenden, in die Stadt gelaufen um mein allerletztes Geld in Dollar zu tauschen. Auf dem Rueckweg winkten mir ein paar Inder zu, sie wollten mit mir reden. Am Ende hab ich eine gute Stunde mit denen rumgesessen und mir Geschichten ueber ihr Leben angehoert. Sie haben mir ihre kleinen Geschaefte gezeigt und Tee mit mir getrunken. Ich habe ein paar neue Freunde gefunden, einfach weil ich nich stur weitergegangen bin. So wie ich es frueher gemacht haette.
Und das ist der hauptsaechliche Unterschied zwischen Alleinreisenden und Partnerreisenden. Alleinreisende muessen sich auf Neues einlassen. Sie muessen das Unbekannte annehmen, denn sie haben nichts anderes. Sie bewegen sich staendig in einer Welt des Unvertrauten und muessen das akzeptieren. Dazu geheoert ein bisschen Mut, denn neue Situationen am laufenden Band zu erleben kann anstrengend sein. Aber die sich daraus ergebenden Begenungen und Erlebnisse wiegen das bei Weitem auf.
Was nun klingt wie ein endloser Lobgesang hat natuerlich auch seine Schattenseiten. Zunaechst ist man irgendwann auch einsam. Denn egal wie viele Menschen man trifft und wie toll diese sind, die Verbindung ist meist nur von kurzer Dauer. Eine tiefe Beziehung aufzubauen ist schwer. So ist man zwar selten allein, jedoch fuehlt man sich manchmal trotzdem einsam. Auch ist man Gefahren ausgesetzt. Man wird haeufiger ueber den Tisch gezogen, man ist leichtere Beute fuer Betrueger. Zwei Koepfe denken eben immer besser als nur einer. Und alleine reisen ist teurer. Singlerooms sind teuer, Discounts gibts eher fuer zwei als nur fuer einen.
Das sind die Nachteile. Wobei eigentlich nur ein wirklicher Nachteil in der Aufzaehlung steckt. Und der wird ja bald behoben. Denn mit Wibke treffe ich auf den besten Reisepartner den ich mir wuenschen kann. Ich freu mich schon ganz doll! Und es wird eine Superzeit, ich weiss das.
Aber nur ,wenn ich nicht wie ein zweiter Tom Hanks am Flughafen inn Nairobi bleiben muss 🙂

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Stok’nRoll

“Schritt fuer Schritt fuer Schritt fuer Schritt.”
Das ist mein Mantra. Das ist, was mich voranbringt. Weiter bringt. Hoeher bringt. Dieses Mantra hallt seit Stunden in meinem Kopf, ist der einzige klare Gedanke, den ich seit langem fasse. Fassen kann. In meinem Sichtfeld graben sich abwechselnd ein linker und danach ein rechter Schuh in tiefen Schnee. Die Schuhe sind extrem riesig, aus Plaste und mit Schneespitzen bewehrt.
Es sind meine Fuesse die in ihnen stecken und ich bin es, der sich hier hochkaempft. Irgendwie hab ich mich mal wieder in eine Situation gebracht, die 99% aller normal funktionierenden Menschen vermeiden wuerden.

Wer meinen Blog seit laengerem liest, weiss, dass ich vor ungefaehr fuenf Jahren einen recht unbeholfenen Versuch gestartet habe, einen 6100m hohen Berg namens Stok Kangri zu besteigen. Das war ziemlich ambitioniert, wenn nicht sogar arrogant, ich hatte damals naemlich kaum Erfahrung ueber 3000m gesammelt. Ich wusste so gut wie nichts ueber Wetter, verschiedene Untergruende, Schnee, Hoehenkrankheit und aehnlich Wichtiges. Wir mussten dann aufgrund eines Blizzards (den wir am Anfang sogar leichtsinnigerweise ignorierten) umkehren.
Tja, irgendwie ist mir mein persoenlicher Caracas aber nie aus den Kopf gegangen. Ich wusste schon immer, dass das nicht das letzte Rendevous zwischen mir und dem doofen Berg gewesen sein kann.
Um ganz ehrlich zu sein hab ich ziemlich oft an den doofen Berg gedacht. Und so weiss ich auch sofort, nachdem ich das gelobte Land erreicht hab, was ich machen werde. Versuchen werde. Naemlich dem doofen Berg ein zweites Mal auf den Pelz ruecken. Diesmal aber richtig.
Nach dem Markha Valley Trek und einem Ausruhtag, welcher keiner ist, da ich mich selbst durch Leh reiche und meine mittlerweile recht zahlreichen Kontakte bis tief in die Nacht pflege, begebe ich mich leicht zerknittert und nur spasseshalber zu einer Trekking Agency und frage nach Stok Kangri Besteigern.
Es ergibt sich, dass da was waere. Nein, leider nicht uebermorgen. Sondern morgen. Nein, auch keine 4 Tage Expedition.Sondern drei Tage.
Mh. Nicht das was ich will. Ich bin verkatert. Schlapp. Ich will morgen ja eigentlich Waesche waschen. Und leckere Sachen essen. Danach ein bisschen rumhaengen und vielleicht ein Filmchen gucken. Auf keinen Fall will ich 1000m hochsteigen. Nein. Viel zu anstrengend
Am naechsten Morgen sitze ich in dann doch 6 uhr morgens froestelnd vor der Agency und warte auf den Rest der Party. Ich frag mich was ich hier mache. Mir ist kalt. Ich hab Hunger. Ich muss aufs Klo und mein Pullover stinkt. Toll. Aber es war so billig und ob nun drei Tage Expedition oder vier ist ja auch wurscht. Schaffen werden wir es naemlich eh nicht. Missmutig schmeisse ich Steinchen in den Abwasserkanal. Selbst die Strassenkoeter pennen noch.
Dann kommen die anderen. Unnatuerliche und vollkommen unangebrachte gute Laune wird verbreitet. Grummelnd und grunzend begebe ich mich in den Van, welcher uns zum Trailhead fahren wird.Um mich herum froehliche Hektik. Sachen werden verladen. Mehrmals muss ich von einer Ecke des Vans in die andere ruecken. Neidisch beobachte ich den friedlich schlafenden Strassenkoeter aus dem Wagenfenster.
Ich sollte nun hinzufuegen, dass die Chancen zum Gipfel zu kommen ,extrem schlecht sind. Selbst der verkauffreudigste Agent wurde immer ein bisschen still, wenn ich nach Stok Kangri Expiditionen fragte. Ja, klar man kann hingehen. Der Berg steht ja da drueben. Man kann auch ein bisschen drauf rumklettern. Macht ja auch Spass und wir nennen es dann Expedition, man bekommt also schon was fuer sein Geld. Aber der Gipfel…naja…so wichtig ist der ja eigentlich nicht, jedenfalls jetzt nicht. So voller Schnee wie der ist, kann man ja keinen zumuten da rauf zu gehen, kalt und rutschig und so langweilig weiss und so…
Was ich aus diesem ganzen Rumgedruckse entnehme: gib uns Geld, aber erwarte nicht auf den Gipfel zu kommen. Und ich erfuelle deren Erwartungen. Ich buche und zahle. Denn schon hier beginnt, was sich wie ein roter Faden durch die folgende Geschichte ziehen wird. Ein innerer Zwang, das scheinbar Irrationale zu tun. Und das ist es, was mich in den Van, neidisch den Strassenhund beaeugend, bringt. Obwohl ich gar nicht da sein will. Und schon gar nicht nur drei Tage Zeit haben will um den doofen Berg zu erklettern. Aber egal. Passiert ja eh nicht.
Tag eins besteht laut Plan aus Aufsteigen zum Basecamp. Wir fahren nach Stok, welches auf 3900m liegt, packen Sachen auf Pferde und auch ein bisschen was auf unsere Ruecken, geniessen das schoene Wetter, lernen uns kennen und starten dann nach Richtung oben. Mit von der Partie sind: Pravin, ein huenenhafter Indier aus dem Sueden welcher ein so breites Laecheln hat, das ich sogar meine schlechte Laune vergessen kann und Duke ,ein zappeliger Amerikaner mit einem enormen Intelligenzquotienten, der wirklich so heisst: Duke. Als Unterstuetzung haben wir Sonar ,einen echt winzigen Ladakhi (der wirklich ganz allerniedlichst aussieht, wenn Pravin neben ihm steht), der unser Guide ist und die typische ladakhische Herzlichkeit und Waerme ausstrahlt, sowie Gee unseren Koch (ja, Koch. Wir haben auch ein Kuechenzelt in dem wir spaeter speissen werden.Ich erinnere: “Expedition”) welcher aus Nepal ist und das mir so liebe nepalische Laecheln im Gesicht hat. Ausserdem war er ,so ganz nebenbei gesagt ,schon mal auf dem Mount Everest.
Das ganze Gekluengel macht sich dann bimmelnd, witzelnd und schulterklopfend auf den Weg. Mit der Sonne wird mir warm und ich beginne den Tag zu moegen. Die Leute sind doch echt zu lieb um verdrieslich herumzumosern. Die Gegend ist so toll und ich bin schliesslich in Ladakh, eines der schoensten Flecken der Erde. Und es geht bergauf. Das macht mich ja irgendwie immer an. Aufsteigen.
Und dann irgendwann merk ich es. Es gibt da immer so einen Moment in mir beim Aufsteigen, da realisiere ich, wie geil das ist, genau da zu sein wo ich bin. Wie gut es tut ,das zu tun was ich gerade tue und wie sehr gerade alles passt. Und dann laufe ich einfach los. Ich loese mich von der Gruppe und beschleunige. Will alleine sein in dieser riesigen Welt und mich fuehlen, die Bewegung, die Kraft die sie erfordert und die Zufriedenheit die Kraft zu haben. Ab dann bin ich mit mir selbst und allem anderem im Einklang. Ich laufe, steige, bringe mich an meine Grenzen. Und bin total ausgeglichen dabei. Ruhe in mir. Spuere wie mein Koeper arbeitet. Hoere meinen Atem. Und ueber allem schwebt auf einmal die Gewissheit, dass ich es schafen kann. Ich kann den Gipfel erreichen. Ich muss nur wollen.
Ich erreiche das Basecamp vor den anderen und baue mein Zelt auf. Ich freue mich, das Wetter ist schoen, Gee unser Koch laedt mich zu einen Schwaetzchen ein und nach und nach trudelt der Rest der Gruppe ein. Wir sitzen ein bisschen herum, trinken Tee und besprechen die Lage. Sonar macht uns wenig Hoffnung. Jetzt wo wir bezahlt haben und auf 4900m sitzen kann er uns auch die Wahrheit sagen: Wir werden es wohl nicht schaffen. Der Gipfel ist zu verschneit. Das Wetter ist gegen uns. Wir sind einfach zur falschen Zeit da.
Spaeter liege ich im Zelt und lese. Die Neuigkeiten machen mir nichts aus. Die Ruhe, die ich in den Bergen empfinde hat von mir Besitz ergriffen. Ich denke nicht weiter drueber nach, was sein wird. Es wird schon. Und wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm.
Abendbrotzeit. Es ist 20 Uhr und wir sitzen im Kuechenzelt. Gee hat fantastisches Essen gezaubert und wir sind alle am schnattern. Dann platzt Sonar herein und meint, dass es morgen regnen soll.
Man muss nun wissen, dass Regen so ziemlich das Schlimmste ist, was passieren kann. Regen macht den Schnee matschig, die Ausruestung nass und kuehlt alle aus. Wenn es wirklich regent, dann koennen wir es gleich vergessen.
Und dann sagt Sonar den einen Satz: Wenn es morgen regnet, dann brauchen wir nicht mal den Versuch zu starten auf den Gipfel zu kommen.
Ich sage nichts. Ich denke an das letze Mal. Da hatten wir einen Blizzard und sind um 2 Uhr morgens in die Dunkelheit losgetappt. Vollkommen idiotisch und zum Scheitern verurteilt. Aber wir haben es wenigsten versucht. Und nun sollen wir es vielleicht nicht mal probieren? Ich sitze da und denke. Und dann kommt wieder dieses irrationale Gefuehl und ich stelle eine Frage in die Runde:
“Und wenn wir es nun heute versuchen?”
Schweigen.
Aber nun ist es raus. Es haengt in der Luft, dieser idiotische Vorschlag.
Wir sind gerade 1000m aufgestiegen, in einer Hoehe, in der man eigentlich 500m pro Tag aufsteigen sollte. Wir haben heute schon zwei Tage in einen gequetscht. Es ist 8 Uhr abends. Wenn wir wirklich den Gipfel machen wollen, dann haetten wir jetzt 4 Stunden Zeit zu schlafen und dann wuerden wir 12 Uhr nachts aufstehen und weitere 1200m aufsteigen. Und das in einer Umgebung in der Leute sterben,weil sie sich nicht genug akklimatisiert haben. Ich meine, in 4900m Hoehe ist selbst das Zubettgehen schwierig. Man keucht beim Pulloveranziehen. Himmel, soagar das auf Toilette gehen ist superanstrengend.
Duke zappelt rum. Ich gucke von einem zum anderen. Dann grinst Pravin,steht auf und schiebt sich aus dem Zelt.
Spaeter kommt er wieder: “Sonar macht die Schuhe fertig. Wir haben 3 Stunden Schlaf. Give me five” Und damit hat es sich. Wir werden es heute versuchen.
Spaeter frage ich mich, warum ich diese Frage gestellt habe. Ich weiss es nicht. Es war entgegen aller Vernunft. Wir waren muede. Wir waren unvorbereitet. Aber ich musste es einfach tun. Ich musste fragen. Es zumindest probieren.
12 Uhr nachts: Wir sitzen im Kuechenzelt. Geschlafen hat keiner so richtig, erst recht nicht Sonar, denn der musste sich um die Ausruestung kuemmern, die in einen recht fragwuerdigen Zustand angeliefert wurde. Aber hat es geschafft, die schweren Schneeschuhe stehen bereit und die Schneespitzen sind angeschnallt. Murmelnd versuchen wir so viel Haferschleim wie moeglich in uns reinzuquetschen, wir brauchen jetzt jedes bisschen Energie.
12.20 Eine fiebrige Unruhe macht sich breit. Es geht Richtung Aufbruch. Wir versuchen uns mit markigen Spruechen und lahmen Witzchen zu motivieren. Ich kenne diese Stimmung, es ist die Ruhe vor dem Sturm.
12.45 Aufbruch. Wir sind alle in mindestens drei Lagen Klamotten eingepackt, die Nacht ist klar und dementsprechend eisig kalt. Ich tausche meinen Trekkingstab gegen eine Eisaxt und schweigend machen wir uns in der Dunkelheit auf den Weg.
1.10 Wir erreichen die Schneegrenze. Ab hier muessen wir unsere Wanderschuhe gegen die monstroesen Schneeschuhe eintauschen. Da diese Schuhe ueber das Knoechelgelenk gehen, aber starr sind, wird das Laufen extrem anstrengend. Aber es muss sein, ansonsten kuehlen die Fuesse aus und man hat keinen Halt. Ueber die Schuhe werden Schneegamaschen gezogen, da wir oefter einsinken werden.
2.00 Wir stapfen seit 50 Minuten an einer Bergflanke entlang. Der Schnee ist gefroren, das ist gut, wir sinken nicht ein. Wir sprechen kaum, alles was ich hoere ist das Knirschen unserer Schritte und Pravins schweres Atmen hinter mir. Meine Stirnlampe habe ich gedimmt um Batterie zu sparen und so sehe ich keine zwei Meter weit in die Finsterniss.
2.15 Wir erreichen das sogenannte Advanced Basecamp. Hier habe ich vor fuenf Jahren gezeltet. Ich erkenne nichts wieder, das Basecamp wird seit Jahren nicht mehr genutzt und nur ein paar bunte Gebetsfaehnchen, die ich in der Dunkelheit kaum erkennen kann zeigen an, wo es sich einst befunden hat.
2.30 Wir erreichen den Gletscher. Von hier ist es eine recht flache Strecke zur eigentlichen Bergflanke
2.35 Sonar ist eindeutig zu langsam. Wenn wir den Gipfel vor acht Uhr erreichen wollen (und das muessen wir, ansonsten setzt mit der Sonne die Schneeschmelze ein)muessen wir schneller werde. Wir entscheiden schneller zu gehen. Da ich mich am fittesten fuehle uebernehme zunaechst ich die Fuehrung und gebe so ein schnelleres Tempo vor.
3.00 Wir haben den Gletscher ueberquert und erreichen die Bergflanke. Ab hier geht es steil nach oben. Etwa 700 meter ueber uns erhebt sich die Bergschulter an dessen Ende sich der Gipfel anschliesst. Sonar ist etwa 10 Minuten hinter uns, wir entscheiden nicht zu warten, da wir uns alle recht fit fuehlen und keine Pause brauchen.
4.00 Die Haelfte der Bergflanke ist geschafft. Duke und ich wechseln uns jetzt in der Fuehrung ab. Wir sind ziemlich aufgeputscht, da wir uns stark und zuversichtlich fuehlen. Wir machen uns Mut und versichern uns, dass wir es schaffen koennten. Pravin hat ziemlich mit der Hoehe zu kaempfen, haelt sich aber gut. Sonar ist 200m unter uns.
4.30 Ein letzter ,extrem steiler Anstieg liegt zwischen uns und der Bergschulter. Die Sonne kommt langsam und mit der Sonne waechst der Druck. Wir muessen Strecke machen, denn im Sonnenschein faengt der Schnee an zu tauen und die Gefahr abzustuerzen oder in eine Lawine zu geraten steigt extrem.
5.00 Ich erreiche die Schulter. Ich habe extrem kaempfen muessen, jeder Schritt faellt mir jetzt schwer. Das Atmen ist in dieser Hoehe eine Qual, man bekommt einfach nicht genug Sauerstoff in die Lungen. Erschoepft lasse ich mich fallen und bleibe erstmal liegen. Auf der Schulter sitzt auch Alex, ein Ukrainer, welcher vor uns aufgebrochen ist. Auch er sieht ziemlich fertig aus.
5.15 Duke und Pravin kommen auf der Schulter an. Duke ist in einem aehnlichen Zustand wie ich, Pravin jedoch geht es noch schlechter. Er laeuft zwar noch, aber in einem unglaublich langsamen Tempo. Der Gesichtsausdruck ist weggetreten. Er laesst sich fallen, kann erst nicht reden und meint dann, das er kaum noch Luft bekommt. Wir fragen ihn nach Anzeichen der Hoehenkrannkheit ab, er hat jedoch keine. Er ist einfach nur wahnsinnig erschoepft.
5.20 Wir besprechen unser weiteres Vorgehen. Die Schulter ist der letzte Teil vor dem Gipfel. Duke ,ich und Alex wollen es versuchen. Wir koennen jedoch nicht auf Sonar warten, da dieser mindestens eine Stunde hinter uns ist. Wir muessen es ,ohne uns anzuseilen machen, denn das Seil ist in Sonars Rucksack. Der Schnee sollte griffig genug sein, die Gefahr abzustuerzen ist eher gering. Nach laengerem Ueberlegen schliesst sich Pravin an.
5.45 Wir sind auf der Schulter. Uns kommen zwei Tschechen entgegen. Sie haben den Versuch abgebrochen. Ich habe sie schon laenger beobachtet, sie sind voellig ausgekuehlt und haben keine Kraft mehr nach oben zu steigen. Sie waren zu langsam und der Wind hat ihnen die letzten Koeperwaerme geraubt. Sie zeigen uns noch die Stelle, an der sie umgedreht sind und wuenschen uns viel Glueck.
6.00 Wir erreichen die Stelle ann der die Tschechen umgedreht sind. Hier hoeren auch die letzten Spuren auf, es gibgt keinen Weg mehr ,nur noch den schmalen Berggrat. Ich bin mit Alex alleine, wir haben Pravin und Duke aus den Augen verloren. Ich schaue Alex an und frage ihn nach seiner Bergsteigererfahrung. Er hat welche, jedoch nicht viel. Dann meint er, er will es probieren. Ich habe zwar Bedenken, jedoch ist da wieder dieser Zwang in mir. Ich muss einfach weiter steigen, ich muss es weiter probieren. Alex geht voran und ich schliesse mich an.
6.15. Ich sehne mich nach den Seil ,dass in Sonars Rucksack ist. Der Grat ist extrem schmal und tief verschneit. Zu beiden Seiten geht es steil bergab. Ich umklammere die Eisaxt. Ich weiss, wie man einen Fall damit bremsen kann, jedoch habe ich wirklich Angst , dass der Schnee unter mir wegbricht.
6.25 Alex bleibt stehen. Er kann nicht mehr. Da niemand vor uns hier war muss Alex den Weg selbst spuren. Das ist extrem anstrengend, man hackt mit den Schuhen und der Eisaxt eine Art Treppe in den Schnee. Wir verschnaufen und ueberraschend taucht Duke auf. Er meint, er schafft es bis zum Gipfel. Pravin jedoch musste umkehren, er hat keine Luft mehr bekommen. Ich uebernehme die Fuehrung und mache mich daran eine Spur fuer die anderen zu hacken.
6.35 Ich bin voller Adrenalin gepumpt . Die Angst abzustuerzen macht mich fast wahnsinnig, jedoch muss ich einfach weiter vorwaerts gehen. Ich bin so erschoepft wie noch nie in meinem Leben. Fluchend und vor mich hinbrabbelnd kaempfe ich mich voran.
6.45 Alex und ich wechseln uns beim Spuren ab. Duke hat keine Kraft mehr dazu und folgt uns. Die Sonne steigt, doch zu unserer Erleichterung ist es leicht bewoelkt. Wir haben somit ein bisschen mehr Zeit.
6.55 Ich sehe den Gipfel 50 Meter entfernt. Ich bin so erleichtert, dass ich den anderen auf Deutsch zurufe, dass wir es beinahe geschafft haben. Verstaendnisslose Blicke treffen mich, dann kann ich mich nicht mehr zurueckhalten und renne (naja, taumele) auf den Gipfel. Ich lasse mich fallen und fange an wie irre zu lachen. Ich habe es geschafft. Es ist vorbei. Wir sind alle am Leben und auf 6140m. Ein Wahnsinnsgefuehl. Wir umarmen uns und springen umher. Alle Anstrenung ist vergessen und wir sind fuer kurze Zeit die Koenige der Welt. Es ist ein so unglaublich berauschendes Gefuehl, man kann das nicht beschreiben.
7.10. Die Sonne ist da und wir muessen absteigen. Unter uns sehen wir Sonar und Pravin. Alle sind wohlauf und wir machen uns muede aber gluecklich auf den Heimweg.

Tja. Das wars, ich hab es geschafft. Ich war so weit oben wie nie zuvor und habe meinen ersten namhaften Berg bestiegen. Ja, es ist kein technischer Berg und es waren vor mir und es werden nach mir noch viele Leute diesen Gipfel bezwingen. Aber das ist egal. Fuer uns alle war es ein einzigartiges Erlebniss und wir sind mit enorm stolzgeschwellter Brust ins Basecamp zurueckgekommen.
Denn niemand hat geglaubt, dass wir es schaffen. Alle im Basecamp dachten, das wir umdrehen werden, so wie alle anderen vor uns. Ich finde heraus, dass wir die ersten seit drei Wochen sind, die es geschafft haben. Und das vierte Team in diesen Jahr ueberhaupt.
Na, da kann man doch schon ein bisschen stolz auf sich sein,oder?
Es war ein tolles Erlebniss, was ich nie vergessen werde. Ich werde bestimmt so oft davon erzaehlen, das bald alle genervt sein werden, aber so bin ich eben. Und diese Stimme, die mich dazu gebracht hat nicht aufzugeben, ich bin ihr dankbar. Vielleicht war es verrueckt auf sie zu hoeren, vielleicht sogar ein wenig leichtsinnig. Aber so ist das in den Bergen, das gehoert dazu. Und am Ende habe wir es ja geschafft, oder? Und das ist letztendlich alles, was zaehlt.

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Indien!!!

Wenn Neuseeland das schoenste Land in dem ich bis jetzt war ist, dann ist Indien das interessanteste. Und aufregenste. Und anstrengenste.
Man sieht, Indien ist ,und das ist nichts Neues, mal wieder mehr. Ich glaube das trift es am besten. Zukuenftig werde ich ich auf die Frage “Wie ist Indien” antworten: “Indien ist viel. Und meistens ist es das meiste.”
Die Erklaerung dieser ,typisch indisch-unversteandlichen, Antwort bekommt man, wenn man auch nur fuenf Minuten in diesem Land weilt, Ort und Zeit egal.
Ich bekomme meine Erklaerung, nicht dass ich eine brauchen wuerde, aber sicher ist sicher, dann auch gleich nach meiner Ankunft in Delhi. Nur fuer den Fall ,dass ich vergessen haben sollte wie wunderschoen brutal Indiens Realitaet auf einen einprasseln kann ,habe ich mir naemlich das billigtse Hotel im trubeligsten Teil Alt Delhis ausgesucht, es ist das Hotel New King in Paharganj. Ich habe das absichtlich gemacht, denn nach zwei Monaten in Indonesien und Nepal wollte ich einfach mal wissen, ob und wie Indien da noch was draufsetzen kann.
Und natuerlich kann es, wie konnte ich je zweifeln? Nachdem ich im Hotel, was uebrigens in einer dieser sehr dunklen, stinkigen, menschen-, hunde-, und fliegengefuellten Seitengassen liegt, eingecheckt bin ,bin ich nach fuenf Minuten auch schon wieder auf dr Strasse, Indien fuehlen.
Alle fuenf Sinne bestaetigen mir, das ist ganz eindeutig und unverwechselbar Indien:
Augen: sehen einen Ort, der fast comicgleich wie eines der Zirkusautos voller Clowns, mit Leben angefuellt ist. Jede Ritze, Nische ,Ecke ist voll von Menschen, Hunden, Kuehen, Fliegen usw. Es ist wie eines dieser Wimmelnbilder, man starrt und starrt und staendig sieht man Sachen die man vorher noch nicht gesehen hat. Es gibt einen Hintergrund HINTER dem Hintergrund und der ist auch voller Menschen.
Ohren: Geschrei. Hupen. Muhen. Musik, Baugeraeusche, Autos, Mopeds, Klingeln, geraeuschvoll die Nase sauberblasen, Streit, Lachen, Weinen, Gebete…
Riechen: Der typische asiatische Dritt-Welt-Land Geruch. Hoch zwei. Mit einer Prise Kardamon dazu.
Fuehlen: Haende. Nicht wenige davon. Bettlerhaende die bitten. Touristenschlepperhaende die zerren. Passantenhaende die schieben. Beruehrungen sind in Indien Teil des Alltags. Da muss man sich einfach dran gewoehnen.
Schmecken: Die schlechte Luft. Abfall, Abgase ,Staub, Schweiss sind die Hauptzutaten. Dann noch ein wenig Saueerstoff und den ueblichen Kram und man hat die typisch indische Luft, die man jetzt zur Monsunzeit auch gut und gerne in Scheiben schneiden und genuesslisch verspeisen koennte.
Schmecken spaeter: Das indische Essen. Wenn man irgendwie mal sauer auf Indien war, macht das alles wieder gut.
Und ich liebe es. Ja, wirklich, es ist einfach umwerfend. Es ist aufregend und beaengstigend zugleich.Wenn man sich durch die Strassen Paharganjs quetscht ,ist das Unterhaltung pur. Besser als Fernsehen, Kino, Freizeitpark. Man wird Teil dieser Masse, man fuehlt mit allen Sinnen wo man ist. Man wird verschluckt und erst wieder ausgespuckt wenn sich die Hoteltuer hinter einem schliesst.
Indien ist aber auch das Land der langen Reise. Indien ist gross und die Strassen sind schlecht. Ich will nach Ladakh, meinem persoenlichen Bergnirvana, und da Fluege zu teuer sind muss ich die Sache in einem Bus aussitzen. 800km sind in Europa, Westeuropa, nicht viel, in Indien jedoch bedeutet dass, das ich mir in recht beengten Verhaelltnissen 32 Stunden den Arsch plattsitze. Das ist zwar nicht mein peroenlicher Rekord, reicht aber vollkommen aus, mich in einen angemessen halbkomaartigen Zustand zu verstzen.
Aber Ladakh belohnt. Fuer dieses Fleckchen Erde wuerde ich gut und gerne nochmal das doppelte der Zeit in einen der grauenhaften Busse verbringen.
Ladakh ist ein bisschen weniger Indien. Fuer mich ist es trotzdem mehr. Es ist der Ort von dem ich seit Jahren entnervten Zuhoerern erzaehle. Es war der Ort, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben Frieden und Ausgeglichenheit empfunden habe.
Und es ist immer noch wunderschoen. Ladakh ist eine Region im trockensten Teil des Himalaya, die kulturell mehr zu Tibet als zu Indien gehoert. Hohe Berge ,eine sehr karge Vegetation und ein endloser Himmel sind die Zutaten die mich so gluecklich machen. Der Blick kann ewig in die Ferne gehen, der Horizont scheint nah und fern gleichzeitig zu sein.
Tommy, Nick und ich machen einen Trek durch das Markha Valley Tal. Es sind 100km ,die wir in 5 Tagen abwandern. Die Landschaft ist gigantisch, wir muessen ueber zwei 5000m Paesse und karge Taeler. Das schoenste aber ist die Unterkunft. Denn jede Nacht schlafen wir bei einer ladakhischen Familie, die auch Essen fuer uns kocht. Frueh stehe ich auf und blicke durch die Fenster auf das wohl beste Guten Morgen Bild der Welt. Es gibt keine Laeden, keine Strasse, keinen Strom, kein fliessend Wasser. Unsere Gastgeber bewahren die Traditionen, der Uropa murmelt ununterbrochen tibetische Mantras. Das Leben geht hier sehr langsam von statten. Deswegen werden die Menschen vielleicht auch so alt. Deswegen und vielleicht auch wegen der allgegenwaertigen Schoehnheit. Denn die ist wichtig das merkt man, oder warum sonst sollten die Fenster in jedem Haus vom Fussboden zur Decke gehen?
Nach 2 Wochen muss ich weiter. Ich koennte laenger bleiben. Ich habe hier einen Platz, an dem ich mich wohlfuehle. Ich koennte hier leben, das weiss ich, aber mein rastloses Herz muss noch ein wenig umherziehen, bevor es irgendwann irgendwo zur Ruhe kommen kann.
Mit Duke und Pravin fahre ich nach Srinagar. Und Indien mit all seiner Verruecktheit hat mich wieder. Und mir geht es wie jeden Indienreisenden: Ich freue mich, denn irgendwie habe ich es naemlich schon ein bisschen vermisst.

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